
Der Neidweiser
August 29, 2025Wann immer ich kann, besuche ich eine Schreibgruppe. Das ist ganz simpel: Ein Treffpunkt (meist ein Cafe oder eine Bücherei mit ruhigeren abgetrennten Bereich, ein Datum/Uhrzeit, eine Stunde Schreiben ohne zu reden mit anschließender Austausch der Schreibenden, wer dazu Lust hat.
Aber ich könnte mich doch auch einfach so in ein Cafe setzen und schreiben? – Klares Nein. Also natürlich könnte ich das, aber Nein, das ist nicht dasselbe.
Ich zähle dir nun auf, was für den regelmäßigen Besuch einer Schreibgruppe spricht:

- Ein konkreter Termin zum Schreiben. Kein Aufschieben. Keine Ausreden. Du bist verabredet und das bedeutet wenn du nicht gehst, willst/wirst du den anderen Teilnehmern wahrscheinlich absagen. Aber vielleicht bist du ein wenig wie ich und ein Termin mit Anderen scheint dir verbindlicher, als wenn du dir vornimmst alleine ins Cafe zu gehen. Und du sagst selten ab.
- Alle schreiben, aber keiner fragt nach deiner Arbeit oder Qualität. Die ersten Male, als ich zu der Schreibgruppe ging war ich sehr unsicher. Was würden die Anderen sagen? Muss ich verraten, was ich geschrieben habe? Ein klares: Nein! Jeder aus deiner Schreibgruppe weiß: Schreiben ist meist ein persönlicher intimer Prozess. Keiner wird dazu gezwungen, etwas über seine Arbeit zu erzählen. Nach der Gruppe entsteht manchmal ein offener Austausch über den Fortschritt während der Schreibstunde. Aber das ist völlig freiwillig. Entweder du gehst direkt nach der Stunde oder wenn der Austausch startet und ich möchte nichts preisgeben, dann sage ich “ich habe heute gejournalt” jeder weiß, das ist privat und keiner fragt dann weiter nach. Inzwischen bin ich mit der Gruppe warm geworden und sage auch ganz offen, wenn ich mal nicht weiter komme oder prokrastiniert habe. Meist stößt das auf Verständnis, manchmal gibt es Anregungen, die ich stehen lasse oder annehme.
- Die Atmosphäre von Schreibenden: Für mich ist es eine produktive Stimmung. Es ist, wie in ein schönes Büro fahren und auf Arbeitskollegen treffen. Denn es ist meist ein ruhigerer abgetrennter Bereich, der eine gewisse Arbeitsatmosphäre ermöglicht. Ich weiß: Jetzt schreibe ich. Was auch immer es ist. Ich lasse mir da völligen Freiraum. Aber eins kann ich dir sagen: Es ist immer was entstanden. Und der Prozess tat gut. Selbst wenn ich zunächst keinen Anfang finde, ich habe die Schreibstunde bisher nur einziges Mal mittendrin abgebrochen. Nach 20 Minuten habe ich mich meist irgendwo eingearbeitet. Und wenn es nur Recherche zu einem Thema ist. Eine Stunde geht schnell herum. Wenn es gut läuft, ganz ohne Druck, komme ich von Höckschen auf Stöckschen und will nach der Schreibstunde gerne noch alleine weiter schreiben.
- Der Austausch. Jeder, der gerne schreibt, schreibt meist allein. Darum tut es mir unheimlich gut auf andere Schreibende zu treffen. Unser Austausch ist wie bereits erwähnt freiwillig, wertschätzend und inspirierend. Die Texte, die geschrieben werden, können manchmal nicht unterschiedlicher nicht sein. Bei unserer Schreibgruppe sind Musiker, Gamedesigner, Blogger und angehende, sowie bereits bekannte Romanautoren dabei. Der Austausch über Schreibblockaden, Inspirationen, Recherche und Schreibevents hilft uns aber allen gegenseitig oder wenn es auch nur das Gefühl ist, dass jemand Anderes auch gerade nicht weiter kommt. Es herrscht auch absolut keine Konkurrenz zwischen den Teilnehmern. Denn jeder weiß, dass die eigene Erfahrung viel besser und echter ist vom Originalautor. Und so fokussiert sich jeder auf sein eigenes Projekt. Die Unterstützung untereinander ist sogar so groß, dass es auch eine WhatsApp Gruppe gibt, in der anstehende Schreibevents wie Seminare oder weitere Gruppen wie z.b. das “Live Reading“ (Vorlesen des Geschrieben und Feedback dazu bekommen) verkündet werden.
Wenn ich dich nun neugierig auf eine Schreibgruppe gemacht habe, dann schau doch mal ob es auch eine in deiner Umgebung gibt. Ich habe meine über die App „meetup“ gefunden. Die App „Spontacts“ könnte dir vielleicht weiterhelfen oder Aushänge in Unis oder Büchereien zu Schreibevents. Auch das Besuchen eines lokalen Schreibevents oder Seminars könnte dir Hinweise auf weitere Angebote oder Gruppen in der Sparte geben. Oder: Sei mutig und gründe selbst so eine Schreibgruppe! Nach meiner Erfahrung kann ich dir sagen, es gibt genug Kreative da draußen, die auf solch eine Gelegenheit warten! Es braucht nicht viel: Ein Treffpunkt, einen Handytimer, dein Schreibzeug und los geht’s!
Am besten ist natürlich, wenn die Schreibgruppe regelmäßig (jede Woche, gleicher Tag, gleicher Ort, gleiche Uhrzeit) stattfindet und nicht online. Auch von einer Online Gruppe kannst du profitieren. Aber ich bin überzeugt, dass ein persönliches Treffen verbindlicher und effektiver ist!
Und auch wenn sie regelmäßig stattfindet, heißt es nicht, dass du immer hin gehen musst. Bei uns finden z.b. Schreibgruppen an fünf Tagen in der Woche an vier unterschiedlichen Orten statt. Der Ortswechsel tut gut, auch wenn ich inzwischen meine Lieblingscafes zum Schreiben habe.
Hast du Lust eine Schreibgruppe zu besuchen oder bist schon mal bei einem Schreibtreffen gewesen?
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