
Der Affentrick
August 21, 2025Ich sitze auf der Couch, mein Handy in der Hand. Ich scrolle meinen Insta Feed herunter. Bilder von Segelbooten in der Karibik, mutigen Paaren die eine Weltreise machen, mit ihren Kindern surfen gehen oder an ihrem Haus auf Hawaii arbeiten. Ich sehe all diese schönen Bilder und kleinen Videos und in mir schleicht sich ein Gefühl von Neid.
Ich wünschte, ich wäre an ihrer Stelle mit meiner Familie. Wir wären vor Anker mit unserem Boot, irgendwo im Süden wo es warm ist und springen ins türkisblaues Wasser…was eine Traumvorstellung! Dann schaue ich hoch, sehe mich um und bin wieder in meiner Realität. Und die ist eigentlich gar nicht so übel, denn wir leben auf einem Boot. Und wenn wir nicht auf dem Boot sein wollen, gehen wir in den grünen Wäldern von Washington wandern.
Doch natürlich verschwindet das Gefühl von Neid nicht gleich. Wenn ich meinen Instagram Feed wieder auf mache, ist es wieder da.
Kennst du das?
Eine positive Sache daran ist, du kannst dir das Gefühl zu Nutze machen. Es ist nämlich nichts anderes als Adrenalin/Energie resultierend aus dem Gefühl von Ärger, dass Andere etwas in ihrem Leben haben, dass du nicht hast.
Reiz von Neid -> Vergleich mit eigenen Leben -> Verlust/Mangel -> Trauer\Ärger darüber -> Aktion oder Depression
Nicht immer sind solche Vergleiche hilfreich. Ein Vergleich mit jemandem der mit ganz anderen Fähigkeiten und Ressourcen ausgestattet ist, als du, kann sehr frustrierend sein. Mehr dazu hier.
Aber wir können in solchen Momenten in denen wir Neid verspüren auch rausfinden, was uns gerade fehlt und bewusst in die Richtung bewegen in der wir den Mangel ausgleichen wollen.
Julia Cameron hat dazu in ihrem Buch „der Weg des Künstlers“ den Neidweiser entwickelt.
Dazu erstellst du eine Tabelle mit 3 Spalten. Zum einen auf wen du neidisch bist. Daneben warum du neidisch auf die Person bist. Und zuletzt: Wie könnte deine Aktion/Gegengift aussehen, um selber den Verlust auszugleichen.
Ich habe das Tool vor knapp zwei Jahren zum ersten Mal ausprobiert und war verwundert als ich die Tabelle für den Artikel wieder angeschaut habe. Zum Einen war ich verwundert, wie nah ich meinen Neidmotiven inzwischen gekommen war und zum Anderen, dass mir bestimmte Dinge, auf die ich neidisch war, nun nicht mehr so wichtig sind.
Auch wenn du jetzt vielleicht denkst ‚Ich weiß doch worauf ich neidisch bin. Was soll es mir bringen, das aufzuschreiben?! Mir fehlt halt einfach das Geld/die Zeit/das Umfeld.‘ Es geht nicht darum, von heute auf morgen eine Lösung herbeizuführen. Sondern vielmehr darum aus dem Gefühl von Frust und Passitivität in Aktivität zu kommen. Und ja manche Dinge lassen sich schneller ändern, manche langsamer und manche gar nicht.
Probier‘s einfach aus! Mehr, als dass deine Situation unverändert bleibt, kann nicht passieren.