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Das Pareto Prinzip
August 3, 2025Der Perfektionsfluch
Kennst du diese Sätze auch:
„Ich darf keine Fehler machen!“
„Wenn ich jemanden um Hilfe bitte, ist es ein Zeichen von Schwäche!“
„Ich kann es niemanden Recht machen!“
„Ich muss immer 150% geben!“ (wie geht das eigentlich?!)
Und so weiter. Vielleicht sind sie inzwischen dein Mantra geworden oder dein innerer Kritiker.
Wie auch immer. Aber ganz sicher kann ich dir sagen: Ihren Ursprung haben sie von woanders. Denn meistens kommen sie von einer engen Bezugsperson, wie z.b. den Eltern.
Als Kinder haben wir noch nicht die Fähigkeit zu reflektieren, ob das was Papa oder Mama für eine Haltung vorleben, unbedingt eine Gesunde ist.
Ich habe z.b. mal den Satz in meiner Kindheit gehört „Weinen tut man nur, wenn man richtige Schmerzen hat“. Wer bestimmt denn eigentlich was „richtige“ Schmerzen sind?! Na, ich als kleines Mädchen wusste das natürlich nicht und zog daraus, dass ich nur Weinen durfte, wenn ich mich physisch verletzt hatte. Die Folge daraus war, dass ich mich für meine negativen Gefühle schämte und isolierte und versuchte nach außen hin „stark“ zu sein. Der Körper funktioniert aber nicht so. Die Anspannung muss irgendwo hin. Sonst staut es sich an und explodiert irgendwann oder blockiert uns in unseren Handlungen. Bis heute muss ich mich erinnern, dass ich immer Weinen darf, wenn ich das Bedürfnis dazu habe. Denn Weinen ist auch ein Ventil für innere Anspannung. Und das dieser Glaubenssatz eigentlich von meinem Vater stammt und nicht von mir.
Also was lässt sich tun, wenn du deine Glaubenssätze entdeckt hast, die dich immer wieder zum Perfektionismus auffordern?
Erst einmal: Schreib sie auf!
Schwarz auf weiß vor dir. Dann schreibe die Person und vielleicht noch eine Situation dahinter, mit der du diesen Satz zum ersten Mal in Verbindung gebracht hast. Nimm dir Zeit dafür. Versuche dich in deine Kindheit/Jugend zurück zu versetzen und auch wenn es für den Moment weh tut. Das ist wirklich wichtig, damit du den Übeltäter erkennst und das Übel bei der Wurzel packst!
Nun hast du schon mal eine gute Detektivarbeit geleistet! Sehr gut! 👍
Als nächsten Schritt lese deinen Glaubenssatz als würde ein guter Freund dir davon erzählen. Was würdest du ihm rat? Wir versuchen nun einen Idealzustand zu kreieren.
Meine Freundin erzählt mir, dass sie den Glaubenssatz hat „ich bin erst zufrieden, wenn vorm zu Bett gehen die Wohnung komplett aufgeräumt und sauber ist“ Ich sage ihr, dass es auch ok ist, wenn die Wohnung mal nicht aufgeräumt ist.
Damit kann sie aber noch nichts anfangen. Denn der Satz ist so verinnerlicht, dass er komplett auf Abwehr stößt. Mein „Ratschlag“ ist wie ein „Schlag“ ins Gesicht für sie. Sie fühlt sich abgewertet, denn der Satz hat jahrelang dafür gesorgt, dass sich im Bett liegend besser gefühlt hat. Zwar müde und unfähig etwas anderes aus ihrem Abend zu machen, aber irgendwie besser, dass sie diesen Punkt von ihrer täglichen imaginären Liste gehakt hatte. „Das kannst du vielleicht einfach so machen. Ich aber nicht!“ wehrt sie meinen Rat ab.
Um an ihren Glaubenssatz arbeiten zu können braucht sie also etwas Freundliches und Konkreteres, eine leichte Abwandlung ihres ursprünglichen Satzes könnte lauten:
„Ich brauche Ordnung um mich herum und das ist okay so. Das Wichtigste für heute ist, dass ich den Boden in der Wohnung sauge, danach habe ich dann Zeit für ….“
Oder für mein Bedürfnis zu Weinen. „Ich bin traurig und das ist okay. Ich kann noch nicht vor Anderen weinen, also suche ich die Toilette oder einen anderen Raum auf um zu weinen und meinen Gefühlen einen Raum zu geben“
Versuche für deinen Glaubenssatz eine sanfte Abwandlung zu finden. Denke daran, es macht keinen Sinn sich mit übertriebenen Anforderungen zu quälen. Die Glaubenssätze sind schon viel länger in dir und wenn du Abstand davon gewinnen möchtest, klappt dies langsam und Schritt für Schritt am besten!
Versuche vielleicht erst einmal eine Situation in deinem Alltag zu finden wo du immer wieder in die Perfektionsfalle trittst und finde eine freundliche konkrete Abwandlung. Z.b. für „Ich darf keine Fehler machen „Ich möchte mein Bestes geben und das ist gut so. Bei …. möchte ich sehr genau sein und möglichst keine Fehler machen, aber bei … ist ein Fehler nicht so schlimm.“ und vielleicht noch „wenn mir ein Fehler passiert, kann ich daraus lernen und weiß wie ich es beim nächsten Mal mache.“
Befreie dich vom Perfektionsfluch, dann kannst du das Alles machen…